Schkler, eine Handelsfamilie und ihr barockes Stadtschösschen

Ludwig Leonhard Schkler (1738-1807) entstammt einer Regensburger Kaufmannsfamilie.

Er genießt in den Niederlanden seine Ausbildung zum Ellenwarenhändler, wo er als 26jähriger seine Initiation in der Amsterdamer Loge Virtutis et artis Amici (Freunde des Guten und des Schönen) erfährt.  In seiner Heimatstadt lässt er sich in der 1765 vom Erbprinz Carl Anselm von Thurn und Taxis gestifteten Loge St. Charles de la Constance annehmen und ist 1767 Mitbegründer und der erste Meister vom Stuhl der in deutscher Sprache arbeitenden, neugegründeten Loge Die Wachsende zu den 3 Schlüsseln, wo ihm auch das Amt des Großmeisters angetragen wird. Die Logengründung findet im Schklerschen Gartenhaus, an der Kumpfmühler Straße (im Bereich des heutigen Maria-Ward-Gymnasiums) statt. Als kleiner freimaurerischer Nachlass und aus der Feder dieses Freimaurer-Großmeisters findet sich in der Logenbibliothek ein Gesangbuch aus dem Jahre 1800.

In der zweiten Hälfte des 18. Jh. gab es zur Freimaurerei aber auch konkurrierende Gesellschaften. So ist Schkler in dem 1787 gegründeten Orden der wahren Patrioten und der wahren Menschenfreunde Mitglied unter dem Namen Ludwig der 1ste.

 

B8.1Mit dem Namen Schkler verbindet sich eine bauliche Rarität Bayerns. Vater Leonhard Balthasar Schkler (1738-1807), ein hochgeachteter Handelsmann erwirbt 1758 das Anwesen in der heute bezeichneten Weitholdstr 6, baut es um und ist Bauherr eines originellen architektonischen Konzepts. Wie erst 2010 mit einer viel zu eilig gebotenen restauratorischen Befund­unter­suchung aufgedeckt, werden hier höchst repräsentative Baukörper und Architekturmalerei mit rosenkreuzer-freimaurerischen Motiven festgestellt: illusionistische Fenster, Scheinarchitektur, mythologische Gestalten (Hermes), Symbole, desweiteren in Secco-Technik ausgeführte umlaufende Spaliermalerei. In diesen Räumen müssen wohl über viele Jahre die Logenarbeiten abgehalten worden sein, und zwar nach einem System, wie Sohn Ludwig dieses in den Niederlanden kennen gelernt hat, d.h. ein freimaurerisches Hochgradsystem mit rosenkreuzerischem Einschlag französischer Art.

 

Dieses barocke Stadtschlösschen also, mit dem im Norden dreiseitig aus der Gartenfassade hervorspringenden 8-eckigen Turm [Bild 12], darf ruhig als

Schkler, eine Handelsfamilie und ihr barockes Stadtschösschen im 18. Jh.
Schkler, eine Handelsfamilie und ihr barockes Stadtschösschen im 18. Jh.

das einzige erhaltene Logengebäude des 18. Jh. in Bayern angesehen werden. Leider sind bei der Abwicklung der Baugenehmigung, im Zusammenhang mit einem Eigentümer­wechsel, weder die Freimaurer der Stadt noch offensichtlich die Altstadtfreunde mit herangezogen worden. Auf Umweg, viel zu spät, hat der Bayerische Rundfunk die Loge zu Einzelheiten befragen wollen. Umsonst.

Die Loge bedankt sich aber bei dem Kirchenmaler und Restaurator Andreas Richter, Regenstauf, außerordentlich dafür, dass nun die Logenbrüder anhand des ad acta gelegten und ihr überlassenen Gutachtens sich ein genaueres Bild über die Situation der Freimaurerei vor 250 Jahren machen können. Die ergiebigen Archivalienrecherche betrieb gleichzeitig Dr. Eugen Trapp der städtischen Denkmalschutzbehörde. Architekt Gotthard Montgelas konnte im obersten Geschoss des „Turm zu Babel“, einem Observatorium gleich, minuziös hölzerne Bauteile zeichnerisch festhalten und farbige Textilreste sichern, die wohl einem gemalten Himmel galten.

Mit diesem Architekturbau weist sich die Regensburger Freimaurerei ein zweites Mal in ihrer eigenen Art baukünstlerisch aus. Denn die sog. „Villa Lauser“, das ehem. Gartenpalais der Freiherren von Dittmer aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, auf dem Oberen Wöhrd, Lieblstraße 2, weist als Gesamtkunstwerk des Frühklassizismus einen Seltenheitswert auf. Hier steht das Bildprogramm des Festsaals unter dem Aspekt eines „memento mori“ und charakteresiert Vorstellungen der Freimaurerei.

 

Autor: Br.Hw