Tapis, unser masonische Arbeitsplan

Auf den ausgelegten Arbeitsteppich (Tapis, masonischer Arbeitsplan), konzentriert sich jede Tempelarbeit.

Er zeigt in Bildern symbolhaft unseren angestrebten Lebensentwurf auf, mit dessen Werten die Freimaurerbrüder wirken wollen.

Der Tapes oder Arbeitsplan der Loge Drei Schlüssel zum Aufgehenden Licht
Der Tapis oder Arbeitsplan der Loge    Drei Schlüssel zum Aufgehenden Licht

Im unteren Bildabschnitt erwächst gleichsam aus unserem rational strukturierten Leben, dargestellt als musivisches Pflaster, der Tempel der Humanität, in der Architektur des Salomonischen Tempels. Ihm vorgesetzt sind die beiden Säulen Jachin (Jakin) und Boas, Zeichen der Macht und Stärke.

In Bildmitte erkennen wir Bauwerkzeuge, mit denen die Brüder nicht operativ, vielmehr spekulativ, also geistig arbeiten: das Reißbrett des Meisters, der Spitzhammer zum Behauen des Rauen Steins, welcher als geglätteter Kubischer Stein gesetzt wird, dazu Senkblei, Kelle, Maßstab, Schlägel und Setzwaage.

Am oberen Bildrand, wie über allem waltend, sind Sonne, Mond (und Sterne) zu sehen; denn kein Blick in den Kosmos bringt uns je aus dem Staunen. Im Angesicht des Himmels soll sich der Freimaurerbruder zunehmend als Flammender Stern verstehen, inmitten eines Pentagramms stehend, und sich hierbei der Werte Freiheit, Toleranz, Brüderlichkeit, Transzendenz und des bei seiner Aufnahme initiatischen Geheimnisses bewusst sein. Er entzündet sich sein eigenes strahlendes Licht im Herzen durch fleißiges Arbeiten am Rauen Stein, in dem Maße, wie er sich selbst erkennt: Gnothi seauton. Ihm obliegt die Tat, mit seinen Gaben in sich selbst seine eigene Humanität zu fördern, um sich sodann dem Großen Bau der Humanität aller zu widmen. Diese begriffene, verinnerlichte Vereinigung des Irdischen mit dem Allmächtigen versteht die Freimaurerei unter der dargestellten Verschränkung von Winkelmaß und Zirkel; in diesem Zeichen widmet sich der Freimaurerbruder der Königlichen Kunst.

Umfangen werden im Arbeitsplan Kosmos, Mensch und Arbeit von einer Kordel mit drei Lemniskaten, als Zeichen dafür, dass eines Freimaurers Lebenssinn und Lebensziel sich in ihrer vollen Verwirklichung der Humanität ergehen. Für diese Idee, die Humanität im Menschen zu fördern, will sich die Bruderschaft fest zusammenschließen und sich nach außen hin als verschwiegene Bewegung behaupten, die alles andere ist als geheim. Alle Teilmotive auf dem Arbeitsteppich sind mit einer symbolischen Mauer umzogen, gleich einer schützenden Gliederkette, diese doch bestehend aus den vielen Freimaurerbrüdern.

Tapisse sehen unterschiedlich aus, sie entsprechen den Logentraditionen. Ihre Wirksamkeit, auf Grundlage der erläuterten Bildabschnitte, bleibt stets dieselbe. Für die Regensburger Johannis-Freimaurerloge Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht hat Br. Hans Küfner – in den 50ern des letzten Jahrhunderts Bühnenbildner am Stadttheater – der in Regensburg wieder zum Leben erweckten Freimaurerei den abgebildeten Tapis gestaltet. –hw